Mediation - was ist das?

Mediation ist Ziel der Mediation Anwendungsbereiche der Mediation Verfahrensprinzipien Zum Vergleich: Die Kommunikation im Prozess und in der Mediation Ablauf der Mediation Warum funktioniert Mediation? Wann funktioniert Mediation - wann nicht? Stichworte


Mediationszentrum
Karlsruhe

Mediation - ist wie ein Gerichtsprozess oder ein Schiedsgerichtsverfahren ein Verfahren zur Streitbeilegung. Mediation hat aber andere Methoden und Verfahrens-prinzipien.
Ziel der Mediation - ist wie bei den anderen Verfahren die für die Parteien beste Lösung zur Beendigung des Streits.
Anwendungsbereiche der Mediation Die Mediation ist überall da anwendbar, wo auch in gerichtlichen Verfahren über Streitigkeiten entschieden wird: z. B. bei Wirtschaftsstreitigkeiten, innerbetrieblichen oder familiären Streitigkeiten, Streit mit Nachbarn oder Behörden.Manche Leute sagen, "wir haben keinen Streit," obwohl sie sich nicht einig sind. Deshalb: Mediation ist ebenso bei kleinen Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten anwendbar.
Verfahrensprinzipien Allein die streitenden bzw. uneinigen Parteien entscheiden, wie und mit welcher Vereinbarung sie den Streit bzw. die Meinungsverschiedenheit beenden. Kein Dritter, auch nicht der Mediator, entscheidet inhaltlich über den Streit. Er entscheidet auch nicht mit, etwa in versteckter Form, indem er rechtliche Erklärungen zu den Streitfragen abgibt.

Die Parteien sprechen unmittelbar miteinander. Es werden keine Briefe oder Schriftsätze gewechselt, was den Parteien und Anwälten viel Zeit, Arbeit und Stress erspart. Die Anwälte nehmen an den Verhandlungen teil, soweit dies gewünscht wird. Der Mediator hilft den Parteien (und ihren Anwälten) lösungsorientiert und konstruktiv miteinander zu verhandeln. Die Rechtsanwälte beraten die Mandanten während der Mediation und geben ihnen wichtige Rechtssicherheit zum Abschluss eines Vertrags.

Zum Vergleich: Die Kommunikation im Prozess:

Alles Reden und Denken ist darauf gerichtet, den Richter vom eigenen Standpunkt zu überzeugen, denn er entscheidet im Zweifel. Es sprechen hauptsächlich die Rechtsanwälte und die Richter. Die Parteien stehen im Hintergrund.

Die Kommunikation in der Mediation:

Die Parteien und die Rechtsanwälte brauchen nicht versuchen, den Mediator zu überzeugen, denn er entscheidet nie über den Streit. Statt dessen hilft der Mediator den Parteien, sich und ihre Standpunkte wechselseitig zu erklären, damit sie in die Lage kommen, selbst miteinander eine Lösung des Streits zu finden. Nur die Parteien entscheiden. Sie stehen im Vordergrund.

Die Entscheidungskompetenzen vor Gericht

Der Richter Gang der Verhandlung Inhalt der Streitentscheidung
empfiehlt
zum ...
nein eventuell
entscheidet
über ...
ja ja
Die Parteien Gang der Verhandlung Inhalt der Streitentscheidung
entscheiden
über ...
nein nein

Der Richter entscheidet über den Gang des Verfahrens einschließlich der Verhandlung. Er entscheidet im Zweifel auch inhaltlich über den Streit.

Die Entscheidungskompetenzen beim Mediator

Der Mediator Gang der Verhandlung Inhalt der Streitentscheidung
empfiehlt
zum ...
ja nein
entscheidet
über ...
eventuell nein
Die Parteien Gang der Verhandlung Inhalt der Streitentscheidung
entscheiden
über ...
ja ja

Der Mediator gibt Empfehlungen zum Gang des Verfahrens vor allem der Verhandlung. Er entscheidet nie inhaltlich über den Streit, auch nicht verdeckt durch Empfehlungen.

Ablauf der Mediation Einführung: Erklärung der Mediation; Klärung der Streitpunkte; Prüfung, ob Mediation das geeignete / gewünschte Verfahren ist.

Phase 2: Klärung und Erörterung der Standpunkte und Hintergründe (Belange und Interessen); Vertrauensbildung.

Phase 3: Finden alternativer Lösungen (Brainstorming).

Phase 4: Prüfung der Lösungen

Abschluss: Fixierung eines Vertrags /Ausführung

Warum funktioniert Mediation? Sinn für Fairness und Gerechtigkeit: Die große Mehrheit der Leute (95 %) will eine faire und gerechte Lösung - auf beiden Seiten! Das erlebt jeder Anwalt in seiner Praxis, und das wird jedes Mal in der 2. Phase der Mediation deutlich.

Autonomiebedürfnis: Nur die wenigsten haben es gerne, wenn von dritter Seite (vom Richter) über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Die Allermeisten wollen ihre Zukunft selbst in der Hand behalten und wollen ihren Sinn für Gerechtigkeit verstanden und verwirklicht sehen.

Die Mediation funktioniert um so besser, je aufgeschlossener die Parteien für einander sind. Es erfordert Geduld, wenn der Streitpartner seine Sicht der Dinge darstellt. Dabei erleben die Parteien aber immer wieder positive Überraschungen. Hier entsteht wieder das für einen Vertragsschluss notwendige, wechselseitige Vertrauen.

Der "Trick" des Mediator: Der Trick des Mediators besteht nun darin, sowohl den Sinn für Fairness und Gerechtigkeit eines jeden als auch dessen Autonomiebedürfnis zu fördern, indem er ihm hilft, sich auszudrücken und dem anderen verständlich zu machen. Da beide Seiten gelernt haben, dass der Mediator nichts zu entscheiden hat, können sie ihn diesbezüglich auch sorglos gewähren lassen. Deshalb erweist sich seine "Machtlosigkeit" (nicht inhaltlich über die Streitpunkte entscheiden zu können) als unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen der Mediation.

Wann funktioniert Mediation - wann nicht? Geduld und Aufgeschlossenheit: Die Mediation funktioniert um so besser, je geduldiger, aufgeschlossener und ehrlicher die Parteien sind.

Es erfordert Geduld, wenn der Streitpartner seine Sicht der Dinge darstellt. Die Geduld endet leicht da, wo eine Partei findet, dass ihre Geduld von der Gegenseite missbraucht wird. Das stellt sich häufig schon im Vorfeld der Mediation als Hindernis dar. Denn viele glauben zwar, selbst einigungsfähig zu sein (siehe Sinn für Fairness und Gerechtigkeit). Sie glauben aber wegen der negativen Erfahrungen mit der anderen Seite, dass diese es nicht ist. Das gilt nicht nur für die Parteien, sondern sogar für ihre Anwälte: "Ich will ja vernünftig verhandeln, aber der gegnerische Anwalt will das nicht. Deshalb hat es gar keinen Sinn, in die Mediation zu gehen. Das ist nur Zeitverschwendung." Dabei sollten Anwälte eigentlich "über den Dingen stehen". Wer also keine Geduld mit der anderen Seite haben will, tut sich anfangs mit der Mediation schwer, wenn er die Mediation nicht sogar von vorneherein abgelehnt.

Mit genügend Geduld und Aufgeschlossenheit erleben die Parteien aber immer wieder positive Überraschungen. Da sie - mit Hilfe des Mediators - den Streitgegner und dessen Ansichten quasi ungefiltert (besser: mit dem Filter des Streitgegners) sehen und erleben, bekommen sie nach und nach immer mehr den Eindruck, dass dieser gar nicht so schlimm ist, wie sie zu Beginn der Mediation dachten.

Richtiges Verstehen: Dreh- und Angelpunkt der Mediation ist das richtige Verstehen des anderen. Dies ist nicht im Sinne von Akzeptieren gemeint, sondern nur in Sinne von nicht Missverstehen. Um nichts anderes geht es letztlich bei der Beilegung des Streits, der Herstellung von Vertrauen und der Einigung der Parteien! Das hat folgenden Grund. Wie oben dargestellt, geht es fast jedem (!) um Fairness und Gerechtigkeit. Nur begreift das aber immer nur der Streitgegner nie - jeder andere Unbeteiligte (der nicht Schiedsrichter sein muss) schon. Das scheint paradox - ist es aber nicht. "Das Bild, das der andere von mir hat, ist völlig anders als das, das ich selbst von mir habe. Er sieht mich total schlecht und mies. Dabei bin ich nicht schlecht und mies. Der andere hat auch keinerlei Vertrauen in mich. Dabei bin ich durchaus vertrauenswürdig." So geht es in der Regel beiden Seiten:

Unter solchen Bedingungen werden die Parteien niemals freiwillig eine Vereinbarung treffen.

Diese negativen (und aus der Sicht des jeweiligen "Objekts" falschen) Bilder des "Subjekts" vom "Objekt" sind durch Missverstehen entstanden. Dies gilt sowohl für das Missverstehen der Rede des anderen als auch für das Missverstehen (oder Missdeuten) des Verhaltens des anderen im Hinblick auf seine Absichten und Motive. Das Missverstehen ist ganz besonders stark ausgeprägt zwischen den Geschlechtern, wie Deborath Tannen in ihrem Buch "Du kannst mich einfach nicht verstehen" eindrucksvoll und wissenschaftlich zugleich nachgewiesen hat. Die Gefahr miss zu verstehen ist umso größer, je weniger man damit rechnet; also gerade bei einem glücklich verliebten Pärchen.

(Nur) Wenn die Parteien sich in der Mediation (und danach) nicht weiter missverstehen, wird sich das eigene Bild vom anderen wieder dem annähern, wie der sich selbst sieht. Wie gesagt, es geht nicht (unbedingt) ums Akzeptieren, sondern nur ums richtige Verstehen. Die mit Abstand wichtigste Aufgabe des Mediators ist es, für richtiges Verstehen zu sorgen! Richtiges Verstehen des anderen lässt Vertrauen entstehen und bewirkt sogar Sympathie für den anderen; diese Zwei hier schließen freiwillig einen Vertrag miteinander:

Bewusste Unfairness: Mediation hat keine Aussicht auf Erfolg, wenn eine Partei ganz bewusst unfair gegenüber der anderen sein will (Es geht nicht darum, was die andere Partei darüber denkt, sondern darum, was jede selbst von sich denkt!). Das äußert sich dann immer dadurch, dass diese Partei Forderungen und Erwartungen an die andere Partei stellt bzw. hat, die sie wissentlich gar nicht begründen kann. Hier ist nicht nur die juristische Begründung gemeint. Es genügt jede ernsthafte Begründung. Da nach den Gründen in der Mediation (in der 2. Phase) intensiv gefragt wird, stellt sich ggf. schnell die Haltlosigkeit der vorgebrachten Forderungen heraus. Entweder bricht diese Partei die Mediation von sich aus ab, weil sie sich "entdeckt" sieht. Oder die andere Partei bricht die Mediation ab, weil ihr "der Geduldsfaden reißt".

Stichworte Beste Kenntnis der Situation(en)

- haben die Parteien selbst. Deshalb sind sie prädestiniert, auch die beste Lösung zur Beendigung des Streits zu finden. Die Ergebnisse passen viel besser als die gesetzlichen (richterlichen) Lösungen.

Freiwilligkeit

- ist gegeben, wenn Inhalt und Vertrauen stimmen: In der Mediation kommen Verträge nur freiwillig zustande. Darauf hat der Mediator zu achten. Einen Vertrag schließt man freiwillig, wenn (1. auf rationaler Ebene) der Inhalt des Vertrags für jede Partei stimmt und wenn (2. auf emotionaler Ebene) Vertrauen in den Vertragspartner vorhanden ist. Ein Vergleich vor Gericht würde unter diesen Bedingungen niemals zustande kommen; es fehlt dort das Vertrauen (Stichwort: "Zwangsvergleich" vor Gericht). In der Mediation entsteht in der 2. Phase das notwendige Vertrauen. Wenn nicht, kommt es auch nicht zu einem Vertragsschluss.

Natürlich stehen die Parteien unter Sachzwängen und schließen so gesehen keinen "freiwilligen" Vertrag. Das gilt aber sogar für den täglichen Brotkauf beim Bäcker und ist nichts Nachteiliges.

Neutralität des Mediators

Da er anders als ein Richter oder Schiedsrichter nicht über den Streit entscheidet, hat er mit Neutralität und Unparteilichkeit (besser: "Allparteilichkeit") deutlich weniger oder gar keine Probleme.

Kosten

Mediation ist oft kostengünstiger als ein Prozess.

Mediation ist unschlagbar!


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