| Verfahrensprinzipien |
Allein die streitenden bzw. uneinigen Parteien entscheiden, wie und mit welcher Vereinbarung sie den Streit bzw. die Meinungsverschiedenheit beenden. Kein Dritter, auch nicht der Mediator, entscheidet inhaltlich über den Streit. Er entscheidet auch nicht mit, etwa in versteckter Form, indem er rechtliche Erklärungen zu den Streitfragen abgibt. Die
Parteien sprechen unmittelbar miteinander. Es werden
keine Briefe oder Schriftsätze gewechselt, was den
Parteien und Anwälten viel Zeit, Arbeit und Stress
erspart. Die Anwälte nehmen an den Verhandlungen teil,
soweit dies gewünscht wird. Der Mediator hilft den
Parteien (und ihren Anwälten) lösungsorientiert und konstruktiv miteinander zu verhandeln. Die Rechtsanwälte
beraten die Mandanten während der Mediation und geben
ihnen wichtige Rechtssicherheit zum Abschluss eines
Vertrags.
|
| Zum Vergleich: |
Die
Kommunikation im Prozess: 
Alles Reden und Denken
ist darauf gerichtet, den Richter vom eigenen Standpunkt
zu überzeugen, denn er entscheidet im Zweifel. Es
sprechen hauptsächlich die Rechtsanwälte und die
Richter. Die Parteien stehen im Hintergrund.
Die
Kommunikation in der Mediation:

Die Parteien und die
Rechtsanwälte brauchen nicht versuchen, den Mediator zu
überzeugen, denn er entscheidet nie über den Streit.
Statt dessen hilft der Mediator den Parteien, sich und
ihre Standpunkte wechselseitig zu erklären, damit sie in
die Lage kommen, selbst miteinander eine Lösung des
Streits zu finden. Nur die Parteien entscheiden. Sie
stehen im Vordergrund.
Die
Entscheidungskompetenzen vor Gericht
| Der Richter |
Gang der
Verhandlung |
Inhalt der
Streitentscheidung |
empfiehlt
zum ... |
nein |
eventuell |
entscheidet
über ... |
ja |
ja |
| Die Parteien |
Gang der
Verhandlung |
Inhalt der
Streitentscheidung |
entscheiden
über ... |
nein |
nein |
Der Richter entscheidet
über den Gang des Verfahrens einschließlich der
Verhandlung. Er entscheidet im Zweifel auch inhaltlich über
den Streit.
Die
Entscheidungskompetenzen beim Mediator
| Der Mediator |
Gang der
Verhandlung |
Inhalt der
Streitentscheidung |
empfiehlt
zum ... |
ja |
nein |
entscheidet
über ... |
eventuell |
nein |
| Die Parteien |
Gang der
Verhandlung |
Inhalt der
Streitentscheidung |
entscheiden
über ... |
ja |
ja |
Der Mediator gibt
Empfehlungen zum Gang des Verfahrens vor allem der
Verhandlung. Er entscheidet nie inhaltlich über den
Streit, auch nicht verdeckt durch Empfehlungen.
|
| Warum funktioniert
Mediation? |
Sinn für Fairness und Gerechtigkeit: Die
große Mehrheit der Leute (95 %) will eine faire und
gerechte Lösung - auf beiden Seiten! Das erlebt jeder
Anwalt in seiner Praxis, und das wird jedes Mal in der 2.
Phase der Mediation deutlich. Autonomiebedürfnis: Nur
die wenigsten haben es gerne, wenn von dritter Seite (vom
Richter) über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Die
Allermeisten wollen ihre Zukunft selbst in der Hand
behalten und wollen ihren Sinn für Gerechtigkeit
verstanden und verwirklicht sehen.
Die Mediation
funktioniert um so besser, je aufgeschlossener die
Parteien für einander sind. Es erfordert Geduld,
wenn der Streitpartner seine Sicht der Dinge darstellt.
Dabei erleben die Parteien aber immer wieder positive Überraschungen.
Hier entsteht wieder das für einen Vertragsschluss
notwendige, wechselseitige Vertrauen.
Der "Trick"
des Mediator: Der Trick des Mediators besteht
nun darin, sowohl den Sinn für Fairness und
Gerechtigkeit eines jeden als auch dessen Autonomiebedürfnis
zu fördern, indem er ihm hilft, sich auszudrücken und
dem anderen verständlich zu machen. Da beide Seiten
gelernt haben, dass der Mediator nichts zu entscheiden
hat, können sie ihn diesbezüglich auch sorglos gewähren
lassen. Deshalb erweist sich seine "Machtlosigkeit"
(nicht inhaltlich über die Streitpunkte entscheiden zu können)
als unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen der
Mediation.
|
| Wann funktioniert Mediation - wann
nicht? |
Geduld und Aufgeschlossenheit:
Die Mediation funktioniert um so besser, je
geduldiger, aufgeschlossener und ehrlicher die Parteien
sind. Es erfordert Geduld, wenn
der Streitpartner seine Sicht der Dinge darstellt. Die
Geduld endet leicht da, wo eine Partei findet, dass ihre
Geduld von der Gegenseite missbraucht wird. Das stellt
sich häufig schon im Vorfeld der Mediation als Hindernis
dar. Denn viele glauben zwar, selbst einigungsfähig zu
sein (siehe Sinn für Fairness und Gerechtigkeit). Sie
glauben aber wegen der negativen Erfahrungen mit der
anderen Seite, dass diese es nicht ist. Das gilt nicht
nur für die Parteien, sondern sogar für ihre Anwälte:
"Ich will ja vernünftig verhandeln, aber der
gegnerische Anwalt will das nicht. Deshalb hat es gar
keinen Sinn, in die Mediation zu gehen. Das ist nur
Zeitverschwendung." Dabei sollten Anwälte
eigentlich "über den Dingen stehen". Wer also
keine Geduld mit der anderen Seite haben will, tut sich
anfangs mit der Mediation schwer, wenn er die Mediation
nicht sogar von vorneherein abgelehnt.
Mit genügend Geduld und
Aufgeschlossenheit erleben die Parteien aber immer wieder
positive Überraschungen. Da sie - mit Hilfe des
Mediators - den Streitgegner und dessen Ansichten quasi
ungefiltert (besser: mit dem Filter des Streitgegners)
sehen und erleben, bekommen sie nach und nach immer mehr
den Eindruck, dass dieser gar nicht so schlimm ist, wie
sie zu Beginn der Mediation dachten.
Richtiges Verstehen: Dreh-
und Angelpunkt der Mediation ist das richtige Verstehen
des anderen. Dies ist nicht im Sinne von Akzeptieren
gemeint, sondern nur in Sinne von nicht Missverstehen. Um
nichts anderes geht es letztlich bei der Beilegung des
Streits, der Herstellung von Vertrauen und der Einigung
der Parteien! Das hat folgenden Grund. Wie oben
dargestellt, geht es fast jedem (!) um Fairness und
Gerechtigkeit. Nur begreift das aber immer nur der
Streitgegner nie - jeder andere Unbeteiligte (der nicht
Schiedsrichter sein muss) schon. Das scheint paradox -
ist es aber nicht. "Das Bild, das der andere von mir
hat, ist völlig anders als das, das ich selbst von mir
habe. Er sieht mich total schlecht und mies. Dabei bin
ich nicht schlecht und mies. Der andere hat auch
keinerlei Vertrauen in mich. Dabei bin ich durchaus
vertrauenswürdig." So geht es in der Regel beiden
Seiten:

Unter solchen Bedingungen werden die
Parteien niemals freiwillig eine Vereinbarung treffen.
Diese negativen (und aus der Sicht des
jeweiligen "Objekts" falschen) Bilder des
"Subjekts" vom "Objekt" sind durch
Missverstehen entstanden. Dies gilt sowohl für das
Missverstehen der Rede des anderen als auch für das
Missverstehen (oder Missdeuten) des Verhaltens des
anderen im Hinblick auf seine Absichten und Motive. Das
Missverstehen ist ganz besonders stark ausgeprägt
zwischen den Geschlechtern, wie Deborath Tannen in ihrem
Buch "Du kannst mich einfach nicht verstehen"
eindrucksvoll und wissenschaftlich zugleich nachgewiesen
hat. Die Gefahr miss zu verstehen ist umso größer, je
weniger man damit rechnet; also gerade bei einem glücklich
verliebten Pärchen.
(Nur) Wenn die Parteien sich in der
Mediation (und danach) nicht weiter missverstehen, wird
sich das eigene Bild vom anderen wieder dem annähern,
wie der sich selbst sieht. Wie gesagt, es geht nicht (unbedingt)
ums Akzeptieren, sondern nur ums richtige Verstehen. Die
mit Abstand wichtigste Aufgabe des Mediators ist es, für
richtiges Verstehen zu sorgen! Richtiges Verstehen des
anderen lässt Vertrauen entstehen und bewirkt sogar
Sympathie für den anderen; diese Zwei hier schließen
freiwillig einen Vertrag miteinander:

Bewusste Unfairness: Mediation
hat keine Aussicht auf Erfolg, wenn eine Partei ganz
bewusst unfair gegenüber der anderen sein will (Es geht
nicht darum, was die andere Partei darüber denkt,
sondern darum, was jede selbst von sich denkt!). Das äußert
sich dann immer dadurch, dass diese Partei Forderungen
und Erwartungen an die andere Partei stellt bzw. hat, die
sie wissentlich gar nicht begründen kann. Hier ist nicht
nur die juristische Begründung gemeint. Es genügt jede
ernsthafte Begründung. Da nach den Gründen in der
Mediation (in der 2. Phase) intensiv gefragt wird, stellt
sich ggf. schnell die Haltlosigkeit der vorgebrachten
Forderungen heraus. Entweder bricht diese Partei die
Mediation von sich aus ab, weil sie sich "entdeckt"
sieht. Oder die andere Partei bricht die Mediation ab,
weil ihr "der Geduldsfaden reißt".
|
| Stichworte |
Beste Kenntnis der Situation(en) - haben die Parteien selbst.
Deshalb sind sie prädestiniert, auch die beste Lösung
zur Beendigung des Streits zu finden. Die Ergebnisse
passen viel besser als die gesetzlichen (richterlichen) Lösungen.
Freiwilligkeit
- ist gegeben, wenn
Inhalt und Vertrauen stimmen: In der Mediation kommen
Verträge nur freiwillig zustande. Darauf hat der
Mediator zu achten. Einen Vertrag schließt man
freiwillig, wenn (1. auf rationaler Ebene) der Inhalt des
Vertrags für jede Partei stimmt und wenn (2. auf
emotionaler Ebene) Vertrauen in den Vertragspartner
vorhanden ist. Ein Vergleich vor Gericht würde unter
diesen Bedingungen niemals zustande kommen; es fehlt dort
das Vertrauen (Stichwort: "Zwangsvergleich" vor
Gericht). In der Mediation entsteht in der 2. Phase das
notwendige Vertrauen. Wenn nicht, kommt es auch nicht zu
einem Vertragsschluss.
Natürlich stehen die
Parteien unter Sachzwängen und schließen so gesehen
keinen "freiwilligen" Vertrag. Das gilt aber
sogar für den täglichen Brotkauf beim Bäcker und ist
nichts Nachteiliges.
Neutralität des
Mediators
Da er anders als ein
Richter oder Schiedsrichter nicht über den Streit
entscheidet, hat er mit Neutralität und Unparteilichkeit
(besser: "Allparteilichkeit") deutlich weniger
oder gar keine Probleme.
Kosten
Mediation ist oft
kostengünstiger als ein Prozess.
|